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März 2014

Prima Klima


Winter_ Fehlanzeige. Statt Frost und Schnee reichlich Sonnenschein. Der viertwärmste Winter seit mehr als 130 Jahren ging mit dem Februar zu Ende. Frost und Schnee gab es nur kurz im Nordosten, im Westen und Süden Deutschlands zeigte sich der Winter dagegen praktisch überhaupt nicht, teilt der Deutsche Wetterdienst in einer vorläufigen Bilanz mit. Die Durchschnitts-temperatur lag um 3,1 Grad über dem langjährigen Mittel der Jahre 1961 bis 1990.

Was im »Winterwunderland Allgäu« einer touristischen Katastrophe gleichkommt, macht die Baubranche im ganzen Land glücklich. Hatte ich mich im vergangenen Herbst – wie die meisten meiner Nachbarn auch – darauf eingestellt, dass die Großbaustelle mit acht vierstöckigen Häusern im Neubaugebiet am Stadtrand wie im Vorjahr pünktlich Mitte Oktober in eine Winterstarre fallen und uns bis mindestens Ostern Lärm und Dreck erspart würde – so wurden wir gehörig eines Besseren belehrt_ Die Kräne drehten sich emsig weiter und die Lastwagen donnerten bis kurz vor Heiligabend durch die beschauliche Siedlung, um nach nur einwöchiger Schonfrist pünktlich am 2. Januar wieder lautstark durchzustarten. Aber das Ganze hat auch sein Gutes_ Wenn es jetzt nahtlos in den Frühling übergehen sollte, dann wird das Großprojekt zügig zum Sommer hin fertig gestellt sein.

In der gepflegten Konversation zumeist eher floskelhaft eingesetzt, war das »Wetter« in den letzten Wochen nicht nur in meiner Nachbarschaft das bestimmende Thema – auch auf der DACH+HOLZ entwickelte es sich zum Dauerbrenner.

Während die einen unter den Ausstellern es auf das so ganz und gar untypische Februarwetter schoben, dass sich das Gedränge auf ihren Ständen und auf den Gängen anfangs noch in Grenzen hielt, gingen andere Produzenten optimistisch davon aus, dass sich die Dachdecker – wie sich das bei derart lauen Temperaturen gehört – auf den Dächern tummelten, um dort die Produkte eben dieser Hersteller zu verbauen ...

»Draußen bestes Wetter für Arbeiten an der Gebäudehülle, drinnen beste Aussichten auf neue Geschäfte«, fand denn auch Dieter Dohr eine griffige Formulierung für das derzeitige (Konjunktur)-Klima. In puncto Besucherqualität habe die Messe von den Ausstellern beste Kritiken erhalten, so das Fazit des Vorsitzenden der Geschäftsführung der GHM Gesellschaft für Handwerksmessen, Veranstalterin der DACH+HOLZ.

»Alle Entscheider waren vor Ort, zeigten große Neugierde für neue Produkte und bereiteten kommende Einkaufsentscheidungen vor,« so Dohr. Diese Einschätzung von »offizieller Seite« können wir nach unseren zahlreichen Gesprächen mit den Ausstellern nur bestätigen. Insgesamt kamen im Februar über 47000 Dachdecker, Zimmerer, Klempner und Architekten in die Domstadt. 575 Aussteller aus 26 Ländern zeigten in vier Messehallen und dem Außengelände des Messe-Areals ihre Neuheiten. Wir berichten in dieser Ausgabe ausführlich vom Top-Branchenereignis.

Über das »prima Klima« – angefeuert durch die Forderung der Politik nach einer drastischen Senkung des Energieverbrauchs sowie durch die noch immer historisch niedrigen Zinsen – freuen sich die Zimmerer und Dachdecker gleichermaßen. In 2012 erwirtschaftete das Dachdeckerhandwerk hierzulande mit seinen 15400 Betrieben und etwa 94000 Beschäftigten einen Umsatz von 8,4 Mrd.€. Auch der deutsche Holzbau präsentiert sich in exzellenter Verfassung. Im gleichen Zeitraum erzielten die insgesamt 11174 Holzbaubetriebe mit ihren knapp 63000 Beschäftigten einen Umsatz von 6,2 Mrd. €.

In nächster Zeit wird sich die Branche wohl auch weiterhin auf der Sonnenseite befinden. Nicht zuletzt die steigenden Ausbildungszahlen sowie volle Auftragsbücher sind eindeutige Indizien für die Zukunftsfähigkeit der Dachdecker- und Zimmererbranche.

Eine informative Lektüre wünscht Ihnen

Gerd Rottstegge

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