Auf dem ehemaligen Gelände eines Augustinerklosters, mitten in der Nürnberger Altstadt und direkt am Fluss Pegnitz gelegen, wurde der neue Augustinerhof errichtet. Der Gebäudekomplex füllt zuvor ungenutzten Raum und passt sich seiner Umgebung an: Der Bau fügt sich sowohl in der Höhe an den Bestand als auch auf Fußgängerebene in die Umgebung ein. Ein Großteil des Augustinerhofs sollte vom Deutschen Museum bezogen werden – eine Voraussetzung des Freistaats Bayern, der den Bau bezuschusste. Des Weiteren befinden sich hier ein Hotel sowie ein breites gastronomisches Angebot und Einzelhandelsgeschäfte.
An die umliegenden Bestandsgebäude angepasst, ergänzt der Augustinerhof samt öffentlich zugänglichem Innenhof das historische Stadtgefüge. Die modernen Fassaden werden durch ein bronzefarbenes Metalldach von Kalzip ergänzt. In klassischem Stehfalz ausgeführt, nimmt es den historischen Kontext auf, während die Aluminiumpaneele sich der individuell gestalteten Dachgeometrie anpassen.
Angepasst an den Bestand
In der historischen Umgebung der Nürnberger Altstadt finden sich viele alte Gebäude mit ziegelgedeckten Steildächern. Bei der Planung des Augustinerhofes legte das verantwortliche Architekturbüro Staab Architekten großen Wert auf die Gestaltung des Daches. Entstanden ist eine komplexe Dachlandschaft, bestehend aus mehreren geneigten Flächen, die in unterschiedlichen Winkeln aufeinandertreffen. Statt sich auf Sattel- oder Walmdächer festzulegen, werden beide Optionen je nach Gebäudeabschnitt kombiniert. Gemeinsam mit den eingesetzten Gauben entstehen so auch in der obersten Etage großzügige Nutzflächen. Während sich das häufig gefaltete, polygonale Dach als moderne Interpretation in die angrenzende Dachlandschaft einbettet, wirkt die Materialwahl auf den ersten Blick angepasst an historische Vorbilder. Die metallische Eindeckung ist in traditioneller Stehfalztechnik ausgeführt. In einem bronze-braunen Farbton gehalten, ist von außen nicht ersichtlich, dass die Paneele aus dem Werkstoff Aluminium gefertigt wurden.
Modernes Material in traditioneller Ausführung
Eingesetzt wurde falzbares Aluminium von Kalzip in der Oberflächenveredelung Bronze eloxiert. Das Material ist ideal geeignet für die Verarbeitung in traditioneller Klempnertechnik, da es witterungsunabhängig formbar ist und durch die Flexibilität nahezu jede Form umsetzbar wird. Das Team der Firma Lummel aus Karlstadt wurde mit der Dacheindeckung beauftragt. Anders als bei dem industriellen Stehfalzsystem von Kalzip, das mit vorgefertigten Stehfalzen auf ein Klippsystem montiert wird, wurde das falzbare Aluminium direkt auf einem stabilen Untergrund mit diffusionsoffener Bahn verlegt. Als Verbindung wählten die Fachhandwerker einen Doppelstehfalz, der für eine dezente Optik auf dem Dach sorgt.
Die vielen verschiedenen Dachflächen stellten eine besondere Herausforderung bei der Eindeckung dar. Insgesamt 26 individuelle Flächen mit unterschiedlichen Neigungswinkeln, Trauf- und Firsthöhen mussten berücksichtigt werden, ebenso wie die Dachgauben, Dachfenster und andere Gebäudeanschlüsse. Auch die Dachentwässerung stellte sich als anspruchsvoll heraus: Die innenliegenden Regenrinnen verlaufen bündig mit der Fassade und sind so nur indirekt aus der Fußgängerperspektive zu erkennen. Das Regenwasser fließt zudem über Fallrohre ab, die hinter der Fassade montiert sind. Der Augustinerhof zeigt beispielhaft, wie sich zeitgenössische Architektur sensibel in ein historisches Stadtgefüge integrieren lässt. Moderne Kubatur und der Einsatz hochwertiger, langlebiger Materialien treffen auf traditionelles Dachdecker- und Klempnerhandwerk. Das bronzefarbene Stehfalzdach aus Aluminium verbindet dabei handwerkliche Tradition mit moderner Technik und erfüllt sowohl gestalterische als auch funktionale Anforderungen auf hohem Niveau.