Das Fenster Die Türe Im Blickpunkt

Investitionen in Mensch, Maschine und Marketing

Als 1970 der Startschuss fiel, gehörte die »Bauelemente PRÜM« mit der Streif-Fertighaus AG zum Hochtief-Konzern und war reiner Zulieferer von Bauelementen. Von der gemeinsamen ­Vergangenheit zeugt heute die Firmenzentrale in Weinsheim/Eifel, den sich die heutige PRÜM-­Türenwerk GmbH, inzwischen Hersteller hochwertiger Türsysteme für den Fachhandel, noch immer mit dem Fertighaus-Anbieter teilt. Alles andere hat sich radikal verändert – zum Guten, wie die baustoffPARTNER-Redaktion bei einem Besuch vor Ort feststellen konnte. Das Geheimnis des Erfolges? Womöglich die Begeisterung der Mitarbeiter, die von ihrer Freundlichkeit noch übertroffen wird.

Von Jan RiekenLange Betriebszugehörigkeiten, ein niedriger Krankenstand, ein funktionierendes Betriebliches Gesundheitswesen und Mitarbeiter, die sich mit ihrer Arbeit identifizieren_ Beim Rundgang durch die Produktion mit Geschäftsführer Detlev Schröder wird klar, worauf der unternehmerische Erfolg basiert. Mittlerweile 650 Mitarbeiter fertigen hier pro Jahr etwa 3500 Türblätter und 3200 Zargen – Tendenz_ steigend. Schröder rechnet damit, wie schon in den beiden Vorjahren, den Umsatz auch im Jahr 2016 um sechs Millionen Euro auf dann 125 Millionen Euro Gesamtumsatz steigern zu können. Bis zum 50-jährigen Firmenjubiläum im Jahr 2020 strebt Schröder einen Umsatz von 140 Millionen Euro an.
Dem Unternehmen hat der Investorenwechsel vor knapp zehn Jahren (s. Infokasten) nicht geschadet, zumal der Investor nicht als Heuschrecke agiert, sondern richtig Geld in die Hand nimmt. Zweistellige Millionenbeträge wurden in Anlagen und Prozesse investiert_ In den vergangenen Jahren sind ein vollautomatisches Hochregallager, eine Etagenpresse und ein vollautomatisches Bearbeitungszentrum (BAZ) hinzugekommen. Lagen im Durchschnitt die Ausgaben dafür bei etwa 3 Millionen Euro pro Jahr, beträgt das Investitionsvolumen allein im Jahr 2016 rund 8,5 Millionen Euro_ Unter anderem sind eine neue Verladehalle, ein weiterer Spritzroboter und der Fertigungs-Ausbau Kantentechnik geplant. »Ein weiterer Schwerpunkt ist die Steigerung der Automatisierung durch einen höheren Vernetzungsgrad«, sagt Schröder und nennt das Stichwort »Industrie 4.0«. Bis zum Jahr 2020 sind weitere 40 Millionen Euro an Investitionen geplant.Um trotz stetig wachsenden Sortiments die Lieferzeiten kurz und die Produktion schlank und flexibel halten zu können, wurde vor einem Jahr ein umfangreiches Projekt zur Produktivitätssteigerung gestartet. Mit einem Lenkungsausschuss, der unter externer Moderation die gesamte Produktions- und Wertschöpfungskette von der Geschäftsleitung bis zur Montage einbezog, wurde ein Shopfloor-Management etabliert_ Probleme und deren Lösungen werden jetzt direkt an Ort und Stelle erörtert. »Früher haben wir Unmengen an Mails geschrieben und rumtelefoniert, heute holen wir alle Beteiligten an einen Tisch und finden meist viel schneller eine Lösung,« erläutert Schröder.
Auch die Mitarbeiter sind eingebunden_ Zunächst wurde das Betriebliche Vorschlagswesen neu belebt. Zeitgleich startete die Kampagne »Wir Werden Besser« für mehr Ordnung und Sauberkeit. »Es geht zum Beispiel darum, direkt an einer Anlage genau das Werkzeug zu platzieren, das für Wartung und Reparatur gebraucht wird – und zwar nur dieses Werkzeug, das dann auch feste Plätze hat«, erklärt Jörg Korz, Werksleiter und Prokurist bei Prüm, und ergänzt: »Das erleichtert die Auffindbarkeit, beschleunigt die Arbeiten an den Maschinen und verkürzt so die Rüst- und Standzeiten.«Ebenfalls neu ist die Online-Marketing-Toolbox: ob Händler (mit Login), Architekt bzw. Planer oder Verarbeiter, zum Beispiel Schreiner – Produktdaten, Broschüren, Farbfächer und alle sonstigen Unterlagen sind für jede Zielgruppe im Handumdrehen online verfügbar. Für das Produkt-Informations-Management, also die Bereitstellung aller relevanten Daten, wurden zwei neue Stellen geschaffen. Prüm und auch die Schwestermarke Garant setzen aber nicht nur auf den Online-Handel, sondern auch auf den Auftritt in Sozialen Medien wie Facebook & Co.
Wer sich aber dann doch lieber vor Ort ein Bild machen möchte, der wird im Schulungs- und Ausstellungszentrum am Unternehmenssitz in Weinsheim mit einer echten Premium-Ausstellung empfangen_ In einer Art Flagship-Store werden nicht nur die neuesten Türen-Kollektionen gezeigt, sondern auch Zubehör und die fachgerechte Montage aller Komponenten. Zudem können sich Händler über zeitgemäße Präsentationsformen informieren, die auf minimalem Raum maximale Möglichkeiten bieten. Längst geht es aber nicht mehr nur um Kundenbindung, sondern um Qualitätssicherung bei Montage und Verkauf_ Die Kundenseminare sind gefragt wie nie, jährlich bringen sich etwa 1 200 Teilnehmer vor Ort auf den neuesten Stand – und auch hier gilt_ Tendenz steigend. Und egal, ob man auf Geschäftsführer Detlev Schröder trifft oder auf einen seiner Mitarbeiter_ Man wird freundlich gegrüßt und hat immer ein wenig das Gefühl, einem Markenbotschafter begegnet zu sein.

 

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