Das Dach

Hohe Anforderungen an Kirchensanierung

Um Kirchen bautechnisch zu erhalten und dem Stand der

Technik anzupassen, sind oft Kompromisse bei Planung und Ausführung notwendig. Hinzu kommt, dass sich Sanierungsmaßnahmen am und im Gotteshaus meist schwierig gestalten und einen hohen finanziellen Aufwand erfordern. Die Eigenmittel der Pfarrgemeinden reichen dazu kaum aus, es müssen Fördermittel genutzt werden. Wie im Fall der katholischen Pfarrkirche St. Michael in Bubenhausen.

Die Kirchenverwaltung wollte einen behindertengerechten Umbau ausführen. Dazu verlangte die Diözese Augsburg eine »Standsicherheitsprüfung der Klirche« Bei der notwendigen Gebäudeprüfung stellte das Ingenieurbüro Dr. Schütz gravierende Mängel fest, die eine grundlegende Sanierung der Bausubstanz notwendig machten.
Da die Sparren teilweise sehr stark geschädigt waren, musste das gesamte Dach saniert werden. Das betrifft nicht nur das Langhaus mit seinem 60-Grad-Satteldach, sondern auch den Chor mit 5/8-Schuss sowie die südlich am barocken Chor mit Quersatteldach angeordnete Sakristei. Nicht betroffen war der im Norden vorhandene quadratische Turm, angeordnet im Winkel zwischen Langhaus und Chor, beide 2007 komplett saniert. Die Zimmererarbeiten wurden von den Firmen Schwertberger und Heinle & Renz, die Dacheindeckung des Kirchenschiffs von Heinle & Renz aus Meßhofen ausgeführt. Eine besondere Anforderung stellt die Windsogsicherung von Dachflächen dar, wie sie nicht nur den Richtlinien des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH), sondern auch den Forderungen der Versicherungswirtschaft bei Gebäudeversicherungen entsprechen muss. Denn rund 40 % aller Gebäudeschäden werden durch Stürme verursacht, wie eine Analyse von Sachschäden der Allianz für das Jahr 2013 zeigt.In Abhängigkeit von der Gebäudelage (in Deutschland gemäß Windzonenkarte), der Dachform und dem Eindeckmaterial muss eine objekt- und produktabhängige Windlastberechnung durchgeführt werden. Die ca. 400 m2 große, neu einzudeckende Dachfläche der Pfarrkirche St. Michael hat eine Dachneigung von ca. 60 Grad.
Für die Dachsanierung wurden zunächst alle Objektdaten vom Dachdecker in einem Erfassungsbogen eingetragen. Der Sturmklammerhersteller Friedrich Ossenberg-Schule (FOS) ließ gemäß den genannten Daten eine statische Windlastberechnung nach DIN EN 1991-1-4 erstellen.
Entsprechend den geografischen Daten liegt der Ort Bubenhausen in der »Windzone 2 Binnenland«. Die in der Einzelfallberechnung »Sturmklammer« genannten Werte sind nur für das angegebene Deckmaterial und die dort genannte Sturmklammer »FOS 415c06« von Friedrich Ossenberg-Schule anwendbar. Werden andere Deckmaterialien oder Sturmklammern verarbeitet, muss dafür immer eine neue statische Berechnung erstellt werden.Basis der Einzelfallberechnung »Sturmklammer« waren die Angaben der Zimmerei Heinle & Renz_ Dachdeckung ohne Deckunterlage mit »Creaton Dachziegel Biber Sakral« gerader Schnitt in Doppeldeckung auf Lattung 40 x 60 mm NH C24 (S 10), Satteldach mit 60 Grad Neigung. Die exakten Angaben sind deshalb wichtig, weil die Berechnung nur für die genannten Komponenten (Deckmaterial und Sturmklammer) der Ausführung gilt. Das Zusammenspiel der Einzelkomponenten ergibt das zur Dacheindeckung notwendige Windsogsicherungssystem. Dafür notwendig ist eine Systemprüfung nach DIN EN 14437, bei der die Kombination der Komponenten getestet wird. Die Berechnung für die Neueindeckung des Kirchendachs St. Michael ergab eine Sturmklammer »FOS 415c06«, womit jeder zweite Dachbiber geklammert wird.
Die Sanierung von meist denkmalgeschützten Gebäuden ist nicht nur finanziell, sondern auch technisch recht aufwändig. Dabei kann es vorkommen, dass die gesetzlich vorgeschriebenen bautechnischen Normen und Verordnungen nicht ausgeführt werden können, weil die Denkmalschutzbehörde beispielsweise den Forderungen der EnEV widerspricht. Deshalb sollten Planer und Handwerker sich frühzeitig mit dieser Behörde abstimmen.
Die Pfarrkirche St. Michael in Bubenhausen ist davon nicht betroffen, da alle Beteiligten die Bauausführung frühzeitig abgestimmt haben_ Behörde, Planer bzw. Bauleiter, Klammerhersteller FOS und Handwerker. So ist die Kirche nicht nur gegen Witterungseinflüsse gerüstet, sondern das Dach auch gegen Starkstürme bautechnisch
gesichert.

Hans Jürgen Krolkiewicz, berat. Ing. BDB

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