Das Dach

Gut bedacht_ Sanierung im Kloster Andechs

Bei der Komplettsanierung eines rund 100 Jahre alten Wirtschaftsgebäudes im Kloster Andechs glich der Architekt hohe Bauteil-U-Werte mit einem gut gedämmten Dach aus.

Als die Klosterverwaltung die Architekten von Büro Wagner wegen der Renovierung des Wirtschaftsgebäudes kontaktierte, gab es im Kloster Andechs eine Art Renovierungsstau. Das Gebäude war seit den 1960er Jahren nicht mehr renoviert worden, weshalb eine Komplettsanierung anstand.
Dies betraf vor allem den ausgebauten Teil des Wirtschaftsgebäudes, in dem sich die Klosterwäscherei befindet. Hier hatten Wärme, Dampf und unsachgemäße Ausbesserungsarbeiten über die Jahre unter anderem zu starken Schäden an der Dachkonstruktion geführt.
Im Pflichtenheft von Architekt Dipl.-Ing. Univ. Fabian Wagner standen neben der Dachsanierung neue Bodenplatten, weil der Estrich des alten Gebäudes 1910 noch auf Kies gegossen worden war, außerdem eine Innendämmung für die Außenwände, neue Fenster und neue Böden. Erhalten bleiben sollte ursprünglich auch der Dachstuhl des kompletten Gebäudes, das während der Planung und bis zum Baubeginn noch unter Denkmalschutz stand. Dies war allerdings nur im nicht ausgebauten Teil möglich, in dem eine ungehinderte Luftzirkulation für ein trockenes Raumklima gesorgt hatte. Da der historische Dachstuhl und die Holzschalung in diesem Bereich sichtbar bleiben sollten, wählte Fabian Wagner eine homogene Aufsparrendämmung für beide Gebäudeteile. Dabei entschied er sich für »Linitherm PAL Polymer«, »weil wir immer darauf achten, bei unseren Projekten Komplettsysteme auszuschreiben, bei denen alle Komponenten perfekt aufeinander abgestimmt sind. Das System schien uns bei Linzmeier sehr stimmig zu sein, die Beratung durch einen Mitarbeiter hat uns dann endgültig überzeugt. Wichtig waren uns außerdem die zum System gehörende ›L+D-Folie‹, die gleichzeitig als luftdichte Ebene fungiert, und die Nut-und-Feder-Verbindung der Platten.«
Dank dieser Verbindung bilden die »Linitherm-PUR/PIR«-Dämmelemente direkt nach dem Verlegen eine homogene, wärmebrückenfreie Dämmschicht, bei der sich die gesamte Dachkonstruktion im warmen Bereich befindet. Die reißfeste Polymerbahn, mit der die Plattenoberseite beschichtet ist, steht je an einer Längs- und Schmalseite um 8 cm über. Die Überlappungen sind werkseitig mit einem Dichtband versehen, sodass man sie nach Abziehen einer Schutzfolie durch bloßes Andrücken verkleben kann.Danach stellt »Linitherm PAL Polymer« in Verbindung mit der zum System gehörenden Nageldichtung bereits das Behelfsdach. Die Polymerbitumenbahn bildet bei diesem Dachaufbau die zweite wasserführende Ebene. Den Auftrag für die Dachsanierung bekam die Dachdeckerei und Zimmerei Bernlochner in Weßling-Hochstadt. Die geringe Rohdichte des Dämmmaterials erleichterte ihren Mitarbeitern die Montage_ Wegen ihres geringen Gewichts (33 kg/m3) ließen sich die Platten auch auf dem relativ steilen Dach des Wirtschaftsgebäudes sehr gut handhaben. Außerdem wurde die bestehende Dachkonstruktion nur mit einem geringen Zusatzgewicht belastet, was unter anderem den Spielraum bei den Schneelasten vergrößerte.
Die effiziente »PUR/PIR-Dämmung« (WLS 023) ermöglicht einen sehr guten winterlichen und sommerlichen Wärmeschutz bei schlanken Dämmpaketen. In Andechs kam eine 160 mm starke »Linitherm PAL Polymer«-Dämmung zum Einsatz, die bereits für sich allein genommen einen U-Wert von 0,14 W/m2K aufweist.
Derzeit lassen sich mit dem »Linitherm«-System mit einer einzigen Dämmschicht – bei einer Dämmstärke von 240 mm – Platten-U-Werte bis 0,09 W/m2K erreichen.
Anwender müssen also auch im Passivhaus nur eine Dämmlage verlegen, die sehr einfach auf der Baustelle zugeschnitten werden kann. Der vom Materialpreis her eher im oberen Marktsegment liegende Dämmstoff ist dadurch unterm Strich nicht selten kostengünstiger als eine mehrlagige Holzfaser-Aufsparrendämmung oder eine Zwischensparrendämmung mit Sparrenaufdoppelung und sd-variabler Dampfbremse.
Die bauphysikalischen Berechnungen zur Sanierung führte das in Andechs ansässige Ingenieurbüro Bartl durch. Von hier kam auch die Anregung, beim Wärmeschutznachweis über die Bauteil-U-Werte mit dem gut gedämmten Dach die hohen U-Werte schlechter gedämmter und teilweise völlig ungedämmter Bauteile auszugleichen. »Wir hatten uns für eine PUR/PIR-Aufdachdämmung entschieden, damit der zum Teil historische Dachstuhl in Abschnitten sichtbar blieb – bei einer möglichst geringen Aufbauhöhe der Dämmschicht«, so das Fazit von Fabian Wagner. »Zur Lösung einer vergleichbaren Bauaufgabe würden wir das Material auf jeden Fall wieder verwenden, weil es uns neben dem guten Dämmwert sehr gute baubiologische Eigenschaften bescherte, die auch von der Klosterverwaltung abgesegnet wurden.« »Linitherm« ist frei von Fasern und Formaldehyd und wurde von mehreren unabhängigen Instituten als baubiologisch unbedenklich eingestuft.

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