Themenübersicht Mauerwerk & Beton

Flower Power in Berlin

Kamille, Beifuß und Ringelblume – unübersehbar für alle, die in Berlin vom S-Bahnhof Treptower Park kommen oder auf der Elsenbrücke unterwegs sind. Unübersehbar, denn diese Blumen ­ranken bis zu zwölf Meter hoch an der Fassade eines Ärztehauses entlang. Zehn riesige Blütenstängel mit gelben, weißen und orangefarbenen Blüten – jede rund 600 kg schwer und mit einem Durchmesser von einem Meter. Wenige Meter neben den sogenannten Treptowers ist dies seit 2012 nun der neue Blickfang von Alt-Treptow geworden. Selbst nachts sind die illuminierten ­Blüten weithin sichtbar.

Die Stiele sind aus Stahlrohr, die Blüten aus glasfaserverstärktem Polyesterharz gefertigt. Die Heilkräuter sind an drei Seiten um das Gebäude gruppiert und an der Fassade jeweils mit einem »Isokorb« verankert. Dieser ist aufgrund seines modularen Aufbaus für jede statische Beanspruchung geeignet.
Normalerweise findet der »Schöck Isokorb KST« im Stahlbau bei thermischer Trennung von Stahlträgern seine Verwendung – dass das tragende Wärmedämmelement auch für außergewöhnliche Aufgaben und Stahlkonstruktionen genutzt werden kann, zeigt die kunstvolle Fassadengestaltung des Berliner Ärztehauses.
Der Berliner Pop-Art Künstler Sergej Alexander Dott hat im Auftrag des Bauherren spark_:ling AG die Blumeninstallation entworfen. Kunst am Bau findet heutzutage nicht mehr als repräsentative Skulptur vorm Haus statt und auch nicht mehr als Wandbild in den Chefbüros. Der Künstler Sergej Alexander Dott hat sich intensiv mit dem Kontext der Architektur, also mit dem Bezug des Hauses zu seiner Umgebung, Nutzung und Geschichte auseinandergesetzt.
Das Ärztehaus Treptow, erbaut 1880, beherbergte zu DDR-Zeiten die Betriebspoliklinik der benachbarten VEB Elektro-Apparate-Werke Berlin Treptow, auf deren Gelände heute die Treptowers stehen. Nach der Wende wurde es mit einem veränderten Konzept in ein Ärztehaus umgewandelt. Die cirka 1 700 m² Gewerbenutzfläche verteilen sich auf insgesamt zwölf Arztpraxen und eine Apotheke. Die Sanierung der Villa, die als Baudenkmal unter Schutz steht, fand 2011 und 2012 statt. Die dreistöckige Blumeninstallation des Berliner Bildhauers Dott ist der krönende Abschluss der Restaurierungs- und Sanierungsarbeiten.Damit die Gebäudestatik und die Pop Art Heilkräuter zusammenfinden konnten, mussten im Inneren des Hauses, auf zum Teil ganzen Deckenebenen, zusätzliche Stahlträger eingebaut werden. Das Ingenieurbüro Linnhoff in Kleinmachnow führte die Tragwerksplanung dieses Objektes durch. »Für die Befestigung der Riesenblumen mit der Gebäudehülle war der ›Isokorb KST‹ die optimale Lösung,« so Lorenz Linnhoff. Mithilfe des »Isokorb« konnte die Last der Blumeninstallation über die Stahlträger in das tragende Gebäude geleitet werden.
Bei dieser trendigen Stahlkonstruktion setzt das Baden Badener Unternehmen Schöck neue Maßstäbe für innovative Baulösungen. »Entwickelt wurde der ›Isokorb KST‹ für die thermische Trennung bei Stahlkonstruktionen. Die Module dienen der Übertragung von Zugkräften und Druck-/Querkräften. Letzteres kam bei diesem Bauwerk zum Einsatz. Im Vordergrund stand hier nicht die thermische Trennung als besondere Eigenschaft, sondern die statisch/konstruktiven Funktionen. Ein großer Vorteil für den Planer ist, dass der ›Isokorb KST‹ die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung durch das Deutsche Institut für Bautechnik in Berlin erhalten hat. Daher braucht der Statiker keinen Einzelnachweis, denn er hat ein typengeprüftes Bauelement zur Verfügung«, so Katrin Stockert, Produktingenieurin bei der Schöck Bauteile GmbH.
Durch den hohen Vorfertigungsgrad im Stahlbaubetrieb wird die Montagezeit der Stahlkonstruktionen auf der Baustelle erheblich reduziert. Das Element wird über einfache Schraubverbindungen angeschlossen. So wurde es auch bei der Befestigung der Riesenblumen gehandhabt – jede einzelne Blume ist oberhalb des Stängels mit zwei »Isokorb«-Modulen befestigt. An der Stahlkonstruktion ist eine Kopfplatte angebracht, an der das Modul angeschraubt wurde. Daran ist der Blumenstängel mit einer weiteren Kopfplatte befestigt.

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