Mauerwerk & Beton

Bauen mit Stein oder mit Holz – was ist nachhaltiger und günstiger?

Der Hausbau steht beim To-Do der Bauwirtschaft ganz oben auf der Liste. Immerhin ist der Bedarf an bezahlbaren Miet- und Eigentumswohnungen in Deutschland enorm – auf Jahre hin. Einen Blick auf die Baustoffe, mit denen Wohngebäude in Deutschland gebaut werden, hat die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM) im Rahmen einer Pressekonferenz auf der BAU geworfen. Vorgestellt wurden Studien, denen zufolge Holz als Baumaterial nicht ökologischer ist als Stein – aber teurer. Die Ergebnisse haben für Diskussionen gesorgt.

Ein Nachhaltigkeits-Check über eine realistische Lebensdauer von 80 Jahren ergab sogar einen ökologischen Vorteil für den Baustoff Stein_ »Häuser aus Mauerwerk haben längerfristig je nach Wirkungsindikator sogar eine bessere Öko-Bilanz als Holzhäuser«, sagt Dr. Sebastian Pohl, der sich bei dem LCEE-Beratungsinstitut (Life Cycle Engineering Experts), ein Spin-off der TU Darmstadt, auf die Optimierung der Nachhaltigkeit im Bauwesen spezialisiert hat.
Pohl sieht zudem beim aktuellen Verbrauchsniveau von Holz in allen Anwendungsbereichen der Energie-, Möbel-, Papier- und Bauindustrie eine »ökologische Gefahr«. Der Wissenschaftler warnt vor einem »Raubbau am Forst«, denn schon heute sei Deutschland auf enorme Nadelholz-Importe angewiesen – insbesondere für die Bauwirtschaft. Ein Großteil davon komme aus Tschechien und Polen. Pohls Fazit_ »Das Holzhaus klingt ökologisch. Aber genauso grün wie Holz und dazu noch günstiger ist ein aus Stein gebautes Haus.«

ARGE ermittelt geringere Baukosten für Mauerwerk


Diesen weiteren Vorteil vom Mauerwerk bestätigt ein aktueller Baukosten-Check: Wissenschaftler haben dabei ermittelt, dass der Neubau von Einfamilienhäusern aus Stein durchschnittlich um mehr als 4 % günstiger ist als die Holz-Variante. Noch deutlicher wird der Preisvorteil beim Mehrfamilienhaus_ Hier liegen die Neubaukosten beim Mauerwerk um bis zu 6 % unter denen eines Holzhauses. Das hat die Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen e.V. – kurz ARGE – aus Kiel ermittelt. Als Wohnungsbauinstitut, das im Auftrag des Landes Schleswig-Holstein und der Bauforschungseinrichtung der Bundesrepublik Deutschland arbeitet, verfügt die ARGE über die profundesten »Real-Baudaten«, die bundesweit zu bekommen sind. Deren Auswertung ergab_ Ein Quadratmeter Wohnfläche im Mehrfamilienhaus kostet demnach durchschnittlich
1 414 Euro, wenn das Gebäude mit Mauerwerk – und hier insbesondere mit den vier wichtigen Steinarten Porenbeton, Ziegel, Kalksandstein und Leichtbeton – gebaut wird. Für die Holzbauweise müssen Bauherren dagegen im Schnitt 67 Euro pro Quadratmeter mehr bezahlen, so die ARGE Kiel.
Für ARGE-Geschäftsführer Dietmar Walberg steht fest_ »Der Wohnungsneubau mit Mauerwerk ist eine der wirtschaftlich günstigsten Varianten und zudem eine äußerst flexible Bauweise. Auch deshalb entscheiden sich Bauherren in Deutschland dafür, rund drei Viertel aller Wohnhäuser massiv – also mit Mauerwerk – zu bauen.« Anders als beim Holz sieht die ARGE beim Stein auch »langfristig eine sichere und ortsnahe Rohstoffversorgung« gegeben.

Vorteile auch beim Energiesparen


Einen Vorteil haben Wohngebäude aus Mauerwerk auch unter Energiespar-Aspekten. Das Forschungsinstitut für Wärmeschutz (FIW) aus München stellte auf der BAU-Pressekonferenz eine Studie vor, die die Wirtschaftlichkeit von Einfamilienhäusern im zukünftig von der EU geforderten Niedrigstenergie-Standard untersucht. Die Wissenschaftler kommen dabei zu dem Ergebnis, dass Mauerwerkskonstruktionen auch bei steigender Energieeffizienz zukunftsfähig sind.
Die FIW-Studie nimmt auch die Energieeinsparverordnung (EnEV) ins Visier. Sie belegt, dass jedes weitere Drehen an der EnEV-Spirale nur noch geringe Energie-Einspareffekte bringt. Bauherren seien dabei allerdings gezwungen, verstärkt auf erneuerbare Energien zu setzen_ Wärmepumpen, Solarthermie und Lüftungswärme-Rückgewinnung würden zwar die Energieeffizienz erhöhen. Deren Technik verursache jedoch unverhältnismäßig hohe Kosten. Dies wiederum sei Bauherren ohne eine intensive staatliche Förderung aber nicht zuzumuten.
Die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau forderte auf der Fachmesse BAU in München eine politische Wohnungsbau-Offensive von Bund und Ländern. Deutschland brauche dringend mehr Wohnungsbau. Vor allem in den Ballungsräumen fehlten bezahlbare Wohnungen. Die Zielmarke von 400 000 Neubauwohnungen sei im vergangenen Jahr erneut – um voraussichtlich rund 100 000 Wohnungen – verfehlt worden. »Dabei ist das Wohnen ein Grundbedürfnis der Menschen. In vielen Städten Deutschlands herrscht Wohnungsmangel. Und darin liegt sozialer Sprengstoff«, sagte der DGfM-Vorsitzende Dr. Hans Georg Leuck. Verantwortlich hierfür sei in erster Linie die fehlende Bereitschaft der Bundesregierung, den bezahlbaren Wohnungsneubau entschlossen zu fördern.

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