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Laumans: 125 Jahre Leidenschaft zum Ton – Dachziegel-Herstellung in vierter Generation

Überlieferungen zufolge gab es Dachziegel bereits 450 v. Chr. Aus Ton gebrannt, etablierte sich die Art der Dacheindeckung über die Jahrhunderte hinweg – heute sind sie aus dem Bausektor nicht mehr wegzudenken. Unter dem Slogan »Premium-Dachziegel seit 1896« produziert das Unternehmen Laumans mit Hauptsitz in Brüggen-Bracht nahe der niederländischen Grenze seit 125 Jahren Tondachziegel – und zwar aus Leidenschaft, wie Geschäftsführer Gerald Laumans im Interview mit dem baustoffPARTNER erzählt. Er führt das Familienunternehmen nun in vierter Generation und ist stolz darauf, dass in diesem Jahr 125-jähriges Jubiläum gefeiert wird. Mit dem baustoffPARTNER hat er über die Herausforderungen der aktuellen Zeit gesprochen, die Pläne für die Zukunft und wie faszinierend der Rohstoff Ton auch heute noch für ihn ist.

Von Christine Seif

Der Ursprung von Laumans liegt in den Niederlanden, dort hat der Urgroßvater von Gerald Laumans vor über 125 Jahren begonnen, Dachziegel zu produzieren. Es war die Zeit der Industrialisierung und damals wurden Strafzölle auf die Einfuhr von Waren nach Deutschland erhoben. Aus diesem Grund siedelte Stephan Laumans nach Deutschland über und gründete 1896 die erste Dampfziegelei in Bracht. Doch kaum war das Unternehmen gegründet, gab es die ersten Hürden zu überwinden. Stephan Laumans musste nämlich erst einmal offizieller deutscher Bürger werden, zudem verfügte Bracht damals nicht über einen Bahnhof, was den Transport der Güter deutlich erschwerte.

Nach dem Anschluss an das Schienennetz kam die zweite Generation der Familie Laumans in das Unternehmen und übernahm die Führung. Auch die beiden Söhne Quirin und Lambert hatten mit Herausforderungen zu kämpfen, denn dann kamen die Inflation, die Wirtschaftskrise und der Zweite Weltkrieg. Erst nach Kriegsende konnte die Produktion wieder aufgenommen werden. »Dem Mut und den guten Ideen meines Großvaters und Großonkels ist es zu verdanken, dass es das Unternehmen heute noch gibt. Sie haben damals Laumans 2.0 ins Leben gerufen«, erzählt der heutige Geschäftsführer. Anfang der 1970er-Jahre trat Quirins Sohn Stephan in die Firmenleitung ein und wurde geschäftsführender Gesellschafter für das Werk in Bracht, Lamberts Sohn Lambert leitete das Werk in Alt-Brüggen.

Wie die zwei Generationen zuvor hatte auch Stephan mit neuen Hindernissen zu kämpfen: »Der Markt änderte sich und flache Dächer wurden immer beliebter. Ein weiterer Trend, der es Dachziegeln schwer machte, waren die bei Architekten beliebten Betondachsteine«, erzählt Laumans. »Hinzu kam, dass Unternehmen zu dieser Zeit Probleme mit der Qualität hatten, denn die Produktion wurde gerade auf Tunnelöfen umgestellt und das erforderte anfangs viel Ausprobieren, bis die Qualität wieder das gewünschte und auch geforderte Niveau hatte.«


Vierte Generation – Gegenwart und Zukunft

Gerald Laumans ist der Sohn von Stephan jun. und seit 2003 als vierte Generation der Brachter Dynastie in der Geschäftsführung des Unternehmens tätig. Neue Generation, neue Herausforderungen: »Ich bin nun seit 26 Jahren im Familienunternehmen tätig, anfangs als Assistent der Geschäftsführung, seit 2003 in der Geschäftsführung, und auch ich habe Herausforderungen zu meistern, wenn auch ganz andere als meine Vorfahren.« Von Beginn an war eine der Aufgaben von Gerald Laumans, das Unternehmen moderner zu machen.

»Kurz nach meinem Start feierte ­Laumans sein 100-jähriges Jubiläum und in diesem Zug wollten wir etwas Neues auf den Markt bringen. Mein Vater und ich haben uns überlegt, wie man Dachflächen effektiver nutzen kann. Das Solar-Paneel war zu dieser Zeit bereits weit verbreitet, aber wir wollten das mit unserer Kernkompetenz, dem Dachziegel verbinden – und daraus entstand unser Solar-Ziegel. Eine innovative Idee, die derzeit aktueller ist denn je, aber damals hatten wir mit diesem Produkt leider nicht den gewünschten Erfolg und haben es wieder aus dem Sortiment genommen.« Da das Thema allerdings wieder topaktuell ist, ist die Entwicklungsabteilung von Lauman bereits daran, dieses Produkt neu zu konstruieren und wieder auf den Markt zu bringen.

Digitalisierung und Nachhaltigkeit

Die beiden zentralen Themen, die Gerald Laumans beschäftigen, sind Digitalisierung und ganz besonders Nachhaltigkeit. »Dachziegel aus Ton sind an sich bereits sehr nachhaltig, schließlich bestehen Ziegel zu 99 Prozent aus Ton und dieses Material ist rein natürlich. Aber heute geht das Thema Nachhaltigkeit weiter, es wird nicht nur das Produkt an sich, sondern sein kompletter Kreislauf betrachtet«, erzählt Laumans. Dabei geht es auch um die Produktion und besonders um das Recycling. »Daher sind wir besonders stolz, dass wir jetzt eine EPD (Environmental Product Declaration ), also eine Umwelt-Produktdeklaration, für unsere Dachziegel vorweisen können.«

EPD bestätigt Nachhaltigkeitsstrategie

Die EPD bewertet den kompletten Lebenszyklus der Ziegel, vom Abbau des Tons über den Transport, die Herstellung bis hin zum Recycling und ermöglicht damit einen einfachen Vergleich zwischen gleichwertigen Produkten. Das ist für Architekten, Planer, Ingenieure oder Bauherren wichtig, denn beim nachhaltigen Bauen müssen Gebäude gesetzliche Vorgaben mit Blick auf die Umweltwirkung und Energieeffizienz erfüllen. EPDs ermöglichen aber nicht nur die Ökobilanzierung und Bewertung von Bauwerken, sondern unterstützen auch die integrale Planung. Architekten und Fachplaner können anhand von EPDs bereits in der Entwurfsphase verschiedene ­Bauteile, ­Bauweisen und Optionen vergleichen und so die ideale Kombination von Bauprodukten im Rahmen der Gebäudezertifizierung für das jeweilige Gebäude auswählen. »Wir freuen uns und sind stolz, dass uns das Institut für Fenstertechnik (ift) Rosenheim diese EPD überreicht hat. Das bestätigt uns in unserer Nachhaltigkeitsstrategie und wir nehmen damit bei den Dachziegeln mit der Typ I
II-Umweltdeklaration eine Vorreiterrolle ein. Die wissenschaftlich objektive Datenerhebung des EPD-Programms bestätigt eine einwandfreie Ökobilanz für Herstellung, Verpackung und Recycling der Modelle ›Ideal Variabel‹, ›Tiefasupra‹, ›Tiefa XLTop‹, ›Tiefa2000Top‹, ›RheinlandVariabel‹ und ›MuldenVariabel‹.«

Die bereits vor Jahren eingeführte Nachhaltigkeitsstrategie sei mit der Erlangung der EPD aber noch längst nicht abgeschlossen. »Wir sind Mitglied bei der ›Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen‹ und haben mit einigen Mitarbeitern eine erste Schulungsmaßnahme durchlaufen. Wir freuen uns sehr auf diese nächste Etappe und wollen mit zukünftigen Kampagnen das Thema Nachhaltigkeit auch bei unseren Kunden etablieren.«

Energiekostensteigerung vermeiden

Nahezu die gesamte Baubranche hat aktuell mit Materialknappheit zu kämpfen. Gerade Holz, Dämmstoffe oder Stahl sind derzeit rare Güter und fehlen teils ganz oder die Preise dafür sind explodiert. Der Ton für die Ziegel kommt aus der Region und die Rohstoff-Lieferfähigkeit ist ­gesichert, allerdings hat Laumans in anderen Bereichen mit Preissteigerungen zu kämpfen. »Unsere Vorlieferanten müssen teils Preissteigerungen vornehmen, das versuchen wir aktuell größtenteils für unsere Kunden abzufangen. Der Pfandpreis für Paletten wird auf jeden Fall angehoben. Auch gibt es bei uns derzeit weder Engpässe beim Material noch in der Produktion, das bedeutet, wir sind normal lieferfähig und auch die Absätze sind derzeit gut«, so Gerald Laumans. »Der größte Kostenfaktor, der immer teurer wird, ist bei uns aber die Energie. Daher ist das Thema Energieeinsparung seit Jahrzehnten bei uns präsent. Wir haben hier bereits optimiert, was möglich war. Zudem wollen wir Verbesserungen mit neuen Brenntechnologien erreichen. Eine Idee diesbezüglich ist zum Beispiel, die Öfen mit ›grünem‹ Wasserstoff zu heizen. Allerdings sind diese Technologien noch nicht ausgereift, doch für die Zukunft erhoffen wir uns hier großes Potenzial. Die zur Abmilderung des Klimawandels eingeleitete Energiewende darf nicht dazu führen, dass am Industriestandort Deutschland nicht mehr wirtschaftlich gearbeitet werden kann. Insofern steht ein gemeinsamer Kraftakt der Gesellschaft an.«

Nachhaltigkeit auch im Produkt weiterentwickeln

Doch nicht nur in der Produktion verfolgt Laumans konsequent seine Nachhaltigkeitsstrategie, auch die Produkte an sich sollen noch ökologischer werden – was in einer neuen Produktlinie zum Tragen kommen soll. »Noch im Sommer werden wir unsere neue ›Greener‹-Produktlinie auf den Markt bringen. Diese wird einen geringeren CO2-Wert aufweisen und unseren Nachhaltigkeitsgedanken fortsetzen. Zudem darf ich schon verraten, dass wir aktuell ein weiteres neues Produkt entwickeln – das werden wir dann auf der Dach + Holz zu Beginn des Jahres 2022 vorstellen.«

Auf diese Messe freut sich Gerald ­Laumans schon ganz besonders: »Die Corona-Pandemie hat natürlich auch den Alltag bei Laumans betroffen. Außendienstmitarbeiter konnten nicht mehr direkt agieren und der persönliche Kontakt blieb extern und intern oft auf der Strecke. Umso mehr freue ich mich auf die Dach + Holz im Februar 2022 in Köln – darauf, Kunden zu treffen, persönliche Gespräche zu führen und unsere Produkte wieder live zu zeigen.«

Ansonsten ist Laumans aus unternehmerischer Sicht gut durch die Pandemie gekommen. »Wir sind im vergangenen Jahr um 16 Prozent gewachsen und dieses Jahr wollen wir das Ergebnis von 2020 nochmals übertreffen. Der Trend zurück zum Steildach spielt uns hier, denke ich, in die Karten. War in den vergangenen Jahren das Flachdach im Trend, ist das Steildach wieder stark im Kommen, was mich natürlich sehr freut. Die Emotionalität und die Fakten für das Steildach wurden dank verschiedener Initiativen und Kampagnen wieder stärker in den Fokus gerückt und das trägt nun Früchte.«

»Familienunternehmen durch und durch«

Ein weiterer Faktor für den Erfolg sieht ­Laumans auch in der Unternehmenspolitik: »Wir sind seit vier Generationen ein Familienunternehmen und damit meine ich nicht nur die Geschäftsführung. Für uns gehören auch die Mitarbeiter zur Familie – wir haben flache Hierarchien, immer eine offene Tür und sind stolz auf unser tolles Team. Teils arbeiten bei uns auch ganze Familien. Schon der Großvater war bei Laumans, der Vater ebenso und nun macht dessen Sohn bei uns eine Ausbildung. Das bestätigt uns in unserer Firmenpolitik und ich denke, es ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor, wenn sich Mitarbeiter im Unternehmen wohl- und wertgeschätzt fühlen.«

Diese Philosophie wird auch deutlich, wenn es um das Firmenjubiläum geht. Aufgrund von Corona wurde eine große Feier von vorn herein ausgeschlossen, daher gibt es mehrere Aktionen, bei denen sowohl Mitarbeiter als auch Kunden zum »Mitfeiern« eingeladen werden. »Wir haben über das gesamte Jahr verschiedene Aktionen geplant, die großteils digital stattfinden wie zum Beispiel ein gemeinsames Grill-Event, bei dem Laumans leckere Food-Pakete zusammengestellt hat. Und wir haben zu unserem Jubiläum ein eigenes Bier brauen lassen, mit dem wir zusammen anstoßen wollen, wenn auch nur digital oder in Gedanken.«

Pläne für die Zukunft – Wege festigen

»Nach 125 erfolgreichen Jahren blicken wir optimistisch in die Zukunft. Wir haben einige Visionen und Pläne, die es umzusetzen gibt. Allen voran wird uns das Thema Nachhaltigkeit weiter beschäftigen, besonders was die Energie angeht. Wir wollen hier in neue Technologien investieren, um den Brennvorgang nachhaltiger zu machen. Gleichzeitig wollen wir aber ein gutes Preis-LeistungsVerhältnis bieten. Wir wollen, dass unsere Kunden zufrieden sind, und dies gilt es auch in den nächsten Jahren sicherzustellen. Wir wollen keine neuen Wege einschlagen, sondern diese, die wir bereits gehen, festigen und optimieren.« J

 

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