JUWÖ: Nachhaltiger Erfolg mit digitaler Innovation

Digitalisierung und Nachhaltigkeit sind auch für mittelständische Unternehmen (KMU) zentrale Themen für zukünftigen Erfolg. Juwö Poroton wurde hier vom Mittelstand-Digital-Zentrum Kaiserslautern als ein Best-Practice-Unternehmen identifiziert und einen Tag lang begleitet. Der Ziegelhersteller aus Rheinland-Pfalz will ab diesem Jahr klimaneutral produzieren.

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Im Rahmen einer Best-Practice Geschichte hat das Mittelstand-Digital Zentrum Kaiserlautern die Firma Juwö einen Tag lang begleitet und einen gemeinsamen Podcast aufgenommen. Das Unternehmen stellt zusammen mit einem weiteren Standort in Alzenau in Bayern mit 160 Mitarbeitenden Mauerziegel her und ist nach eigenen Angaben im Rhein-Main-Gebiet, Hessen und Rheinland-Pfalz Marktführer. Geschäftsführer Stefan Jungk leitet das Unternehmen mittlerweile in fünfter Generation. Als erstes Ziegelwerk in Südwest- und Westdeutschland ist es nach dem Energie-Management-System nach EN 50001 und einem freiwilligen Klimamanagement-System nach ISO 140642 zertifiziert.

Das Unternehmen fertigt unterschiedliche Ziegel, wie z. B. den »ThermoPlan RX«-Ziegel mit einer Füllung aus besonderem Dämmstoff. Man kann förmlich bei der kontinuierlichen Weiterentwicklung von Juwö zuschauen: In den letzten zehn Jahren hat sich der Umsatz verdreifacht, im laufenden Jahr rechnet Geschäftsführer Jungk mit einem Umsatz von 35 Mio. Euro. 170 Mio. Ziegelsteine verlassen das Unternehmen pro Jahr, das reicht umgerechnet für 4 000 Häuser. »Ein Ort so groß wie Wöllstein – jedes Jahr durch unsere Ziegel«, sagt der Geschäftsführer. Um das ermöglichen zu können, setzt die Firma auf Innovationen. »Wir bringen jedes Jahr mindestens ein neues Produkt auf den Markt«, so Jungk.


Digitalisierung und Nachhaltigkeit vereint

Dass sich Digitalisierung und Nachhaltigkeit gegenseitig nicht ausschließen, zeigt Juwö eindrucksvoll. Es hat den Nutzen des Werkzeugkoffers namens Digitalisierung früh erkannt und setzt eine ganze Bandbreite von Werkzeugen ein. Beispielsweise verwenden sie ein selbst entwickeltes ERP-System, digitale Tools und Recycling in der Fertigung sowie künstliche Intelligenz in der Qualitätskontrolle. Nachhaltigkeit ist für ­Juwö ein wichtiges Anliegen, weswegen das Unternehmen das Ziel der klimaneutralen Produktion ab 2022 anstrebt.

Dabei gelingt es dem KMU nach Ansicht des Mittelstand-Digital-Zentrums, den drei Dimensionen der Nachhaltigkeit ein Gesicht zu geben. Die ökonomische Seite der Nachhaltigkeit deckt Juwö unter anderem mit einem eigens für die Ziegelindustrie entwickelten ERP-System ab, welches das Unternehmen durch die Ausgründung Brick-IT der gesamten Branche zur Verfügung stellen kann. Ein besonderes Feature dieses Systems ist die Wissensmanagementdatenbank. Es können so nicht nur alle relevanten Daten digital abgebildet, sondern auch Wissen gespeichert werden – insgesamt werden die Arbeitsabläufe so flexibler und effizienter. Hinzu kommt eine künstliche Intelligenz in der Qualitätskontrolle, die langfristig gesehen weitere Kosten und Zeit einspart.

Auch die ökologische Nachhaltigkeit kommt nicht zu kurz: Juwö recycelt aussortierte und fehlerhafte Ziegel selbst und stellt sogar einen eigens konzipierten Ziegel her, der dank seiner »PoroTec«-Füllung eine besonders gute Wärmeeffizienz hat. Da Wände mit ­»PoroTec«-Ziegeln nicht so dick gebaut werden müssen wie mit herkömmlichen Ziegeln, können Ressourcen eingespart werden. Außerdem hat sich das KMU zum Ziel gesetzt, ab diesem Jahr komplett klimaneutral zu produzieren. Möglich wird das vor allem durch den Einsatz von modernen Maschinen und Öfen, nicht vermeidbare Emissionen kompensiert das Unternehmen laut eigenen Angaben mit CO2-Zertifikaten der Vereinten Nationen. Darüber hinaus ist eine neue Produktionslinie mit neuester Technik und die Nutzung einer umfangreichen Freiflächen-Photovoltaik-­Anlage in Planung. Diese folgt den Ergebnissen der Roadmap zur Klimaneutralität, die die Ziegelindustrie bereits 2021 veröffentlicht hat. Schließlich hält Juwö sogar eigene Bienen auf dem Firmengelände, um zur Erhaltung der ökologischen Artenvielfalt beizutragen. Als großes Ziel für die Zukunft wünscht sich Juwö eine Lebenszyklusakte des Ziegels. Diese ultimative Verschmelzung von Digitalisierung und Nachhaltigkeit würde es ermöglichen, den gesamten Lebenszyklus eines Ziegelsteins von der Fertigung bis zum Einbau in einem Gebäude digital abzubilden. So könnte jederzeit nachvollzogen werden, welche Emissionswerte der Ziegel hat, wo er sich befindet und wie sein wahrscheinlicher Zustand ist. Nach seiner Nutzungsdauer könnte der Ziegel dann wieder ans Unternehmen zurückgegeben und recycelt werden.J