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IBU-Präsidentin Dr. Barbara Hendricks zum Thema »Nachhaltiges Bauen«

Nachhaltigkeit und Ökologie sind auch in der Baubranche in aller Munde. Nicht nur zahlreiche Firmen in diesem Sektor haben sich dies auf die Fahne geschrieben, auch die Regierung will mit dem Klimaschutzprogramm bis 2030 ehrgeizige Ziele realisieren. Ein Aspekt dieses Programms ist auch die steuerliche Förderung energetischer Gebäudesanierung. Dr. Barbara Hendricks, MdB, ist Präsidentin des IBU (Institut Bauen und Umwelt) und hat eine klare Meinung zum Thema »Nachhaltiges Bauen«:

Sehen Sie in Anbetracht des aktuellen ­Klimaschutzprogramms der Bundesregierung und dessen Fokussierung auf den Klimawandel und die steuerliche Förderung von Sanierungsaufgaben in der Umsetzung für den Bereich Bauen und Wohnen das stille Ende des Nachhaltigen Bauens?

Nein, ganz im Gegenteil, unsere Initiative für den Klimawandel wird auch die Entwicklung des Nachhaltigen Bauens beflügeln. Wir setzen bewusst nicht auf ein ›Energiewechsel und -sparen koste es was es wolle‹, sondern auf sozialverträgliche und auch ökonomische Maßnahmen, und das ist der ›Dreiklang der nachhaltigen Entwicklung‹. Ich bin davon überzeugt, dass Energieeffizienz, egal ob im Neubau oder im Gebäudebestand, nur nachhaltig umgesetzt werden kann und wird. Dem Nachhaltigen Bauen gehört die Zukunft; wir gehen mit gutem Beispiel voran, alle Neubauten des Bundes werden entsprechend unserem BNB-System (Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen) bewertet und optimiert. Auch die privatwirtschaftlichen Bewertungssysteme wie z.B. die DGNB (Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen) sehe ich im Aufwind.

Zum Stichwort »Sozialverträglich«; sind die aktuellen Beschlüsse zum Klimawandel neben der Entwicklung zum Nachhaltigen Bauen nicht kontraproduktiv in Bezug auf die Bezahlbarkeit des Wohnens?

Ein wichtiger Punkt; ausreichender, bezahlbarer und z.B. auch altersgerechter Wohnraum ist eine zentrale Aufgabe unserer Politiker – ein Thema, das auch mir besonders am Herzen liegt. In der Tat sind die Verbesserung der Energieeffizienz oder nachhaltigere Gebäude i.d.R. mit Mehrkosten verbunden. Ein Ergebnis der von mir initiierten Kostensenkungskommission ist eindeutig, dass langfristig betrachtet Energieeffizienz-Maßnahmen in nachhaltigen Gebäuden die bessere Lösung sind. Wir gehen in diesem Themenfeld daher auch strategisch vor und schaffen neben unserer Vorbildfunktion im Bund Rand- und Rahmenbedingungen, die fördern und fordern. Bewusst setzen wir neben den ordnungspolitischen Vorgaben wie die EnEV (Energieeinsparverordnung) nach wie vor auf Forschungsförderung und Unterstützung der Bauschaffenden. So erarbeiten wir seit Jahren kontinuierlich verlässliche Instrumente, die das nachhaltige Planen und Bauen erleichtern, preiswerter machen und die Umsetzung erleichtern.

Wenn Sie von wichtigen Instrumenten und Elementen für die positive Entwicklung zum Nachhaltigen Bauen sprechen, ist dies ein Grund, warum Sie das Präsidentinnen Amt im Institut Bauen und Umwelt angenommen haben?

Ja, ich sehe darin die Möglichkeit Dinge, die mir wichtig sind, zu begleiten. Das IBU und die Arbeit des IBU ist ein positives Beispiel, wie unsere Politik funktioniert. Einige Bauprodukte-Hersteller haben vor ca. 20 Jahren, durchaus mithilfe einer Initiative meines Vorgängers Klaus Töpfer, eine Plattform entwickelt für die Erarbeitung und Verbreitung von Nachhaltigkeitsinformation für Bauprodukte. Das entsprechende Hilfsmittel – die Ökobilanz im Rahmen einer Umwelt-Produktdeklaration (EPD) – ist heute ein breit angewandtes Handwerkszeug für die Analyse, Information und Bewertung von Produkten. Es ist schon außergewöhnlich, dass gerade die Baustoffindustrie, die ja im hohen Maße Ressourcen verwendet, heute geschlossen für die volle ökologische Transparenz ihrer Produkte steht. Praktisch alle Bauprodukte-Hersteller greifen, individuell oder über ihre Verbände, auf dieses Instrumentarium zurück und bilden damit die Grundlage für die ökologische Erfassung und Bewertung des Nachhaltigen Bauens. Wichtig ist mir dies in zweierlei Hinsicht: Erstens bedarf es einheitlicher Rand- und Rahmenbedingungen, quasi einer einheitlichen Sprache, wenn wir verlässlich und glaubwürdig das Thema Ökologie und Nachhaltigkeit weiterbringen wollen und zweitens müssen wir aus demselben Grund das Thema ›green washing‹ verhindern – Transparenz ist entscheidend für eine glaubwürdige Entwicklung.


Wie sehen Sie die Weiterentwicklung Ihres Engagements und insgesamt des Themas Nachhaltiges Bauen?

Nachhaltigkeit geht nicht ohne Ausgleich und Kompromiss. Wir wissen, dass der aktuelle Bedarf an bezahlbarem Wohnraum in Ballungsräumen nur mit mehr Wohnungsbau abgedeckt werden kann. Und mehr Wohnungsbau bedeutet Inanspruchnahme von Flächen und Ressourcen, mehr Lärm, mehr Verkehr usw. Daher gilt es zu vermeiden, die verschiedenen Nachhaltigkeitsthemen gegeneinander auszuspielen. Es ist unabdingbar, dass wir langfristig einen klimaneutralen Gebäudebestand erreichen. Und dafür brauchen wir eine Verbesserung der Qualität unserer gebauten Umwelt. Mit anderen Worten, das Nachhaltige Bauen ist der notwendige Weg, alles andere ist unverantwortlich.   J

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