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Flex Elektrowerkzeuge: Eine Marke, die unter die Haut geht

100 Jahre wird der Werkzeughersteller Flex in diesem Jahr, mit der Entwicklung des ersten Winkelschleifers im Jahr 1954 hat das schwäbische Unternehmen aus Steinheim an der Murr Industriegeschichte geschrieben. Doch der Blick ist vor allem nach vorne gerichtet, wie Ralf Häfele, Chief Sales Officer bei Flex, im Gespräch mit dem baustoffPARTNER betont. Mit einer Vielzahl an neuen Produkten will man die eigenen Zielgruppen gezielt bedienen – der Ausbau der Akku-Range und des weltweiten Vertriebsnetzes spielt dabei eine wesentliche Rolle.

Von Peter Lang

Es gibt Unternehmen, die haben Kunden, und es gibt Unternehmen, die haben Fans. Flex gehört zur letzteren Kategorie, wie Ralf Häfele anhand einiger Bilder demonstriert – Handwerker, die sich ihre Flex-Produkte auf die Haut haben tätowieren lassen. »Das haben die freiwillig gemacht, die sind nicht von uns gesponsert«, sagt Häfele augenzwinkernd. Der konsequente Fokus auf die eigenen Zielgruppen gehört zur DNA bei Flex und das führt dann zuweilen auch zu unter die Haut gehenden Liebesbeweisen.

Wenn Ralf Häfele die Vision von Flex beschreiben soll, dann ist diese ganz klar: »Wir wollen mit unseren Produkten erste Wahl für unsere Zielgruppen sein.« Der 1922 in Bad Cannstatt gegründete und seit langem in Steinheim an der Murr ansässige Werkzeughersteller ist kein Vollsortimenter, sondern im Kern auf vier Branchen ausgerichtet: Automotive, Sanieren & Renovieren, Metallbearbeitung und Natursteinbearbeitung. Im Bereich Automotive gehöre man mit den eigenen Poliersystemen laut Häfele zu den namhaftesten Herstellern im Markt. Im kleinen Segment Natursteinbearbeitung könne man sich sogar Weltmarktführer nennen. Die Themen Sanieren & Renovieren umfassen ein weites Feld, vom Maler über den Innenausbau bis hin zur Fassade und dem Construction-Bereich. Traditionell stark ist Flex in der Metallbearbeitung – hier gehört man zu den wenigen Anbietern, die nahezu alle Geräte auch batteriebetrieben anbieten.

Rasante Entwicklung auf den Auslandsmärkten

Die Entwicklung in den letzten Jahren ist von einem kontinuierlichen Wachstum gekennzeichnet. »Wir haben in den letzten drei Jahren bei Flex kräftig Gas gegeben«, sagt Häfele. Das führte im Jahr 2021 zu einem hohen zweistelligen Umsatzplus. Neben starkem Wachstum in Europa habe dazu auch der US-Markt und Australien beigetragen. In beiden ­Märkten ist man zusammen mit der Muttergesellschaft Chervon aktiv. Zum Hintergrund: Die chinesische Chervon Holding hat Flex im Jahr 2013 übernommen – der Umsatz von Flex hat sich seitdem mehr als verdoppelt. Chervon selbst macht mit Elektro- und Gartenwerkzeugen einen Jahresumsatz von 1,7 Mrd. Euro. »Im Vertrieb konzentrieren wir uns bei Flex auf die Hauptmärkte, nicht auf die Emerging Marktes, da unsere Produkte dafür zu teuer sind«, betont Ralf Häfele. Gerade erst habe man eine neue Auslandsgesellschaft in Dubai gegründet, weitere sollen in Zukunft folgen. Der Exportanteil bei Flex liegt derzeit bei rund 60 Prozent.


Leistungsstarkes Akku-System von Chervon

Die Zusammenarbeit mit Chervon hat für Flex nicht nur Vorteile im Vertrieb, sondern auch bei der Komponentenbeschaffung und der technologischen Entwicklung. Rund 600 Ingenieure arbeiten bei ­Chervon an der Entwicklung neuer Produkte. Davon profitiert Flex u. a. bei der Akku-Technologie: »Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir uns keiner Akku-Allianz anschließen müssen. Dank Chervon haben wir Zugang zu der Technologie sowie den benötigten Zellen«, so Häfele. Mit dem eigenen Akku-System sei man ganz vorne mit dabei, nicht zuletzt wegen Features wie der patentierten ­»Therma-Tech«-Technologie: Dabei werden die Akkuzellen von einem Kühl­material ummantelt, welches aktiv die überschüssige Wärme absorbiert und die Wärmeentwicklung reduziert. Mit der Folge, dass die Akkus über eine deutlich längere Lebensdauer verfügen.

Ansonsten sei man in der Produktentwicklung weitestgehend autark als Spezialist für den professionellen Anwender. In Steinheim an der Murr unterhält Flex seine eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung, das Qualitätsmanagement, den Reparaturservice sowie einen Teil der Fertigung. Mit über 20 Produkten pro Jahr kann Flex einen beachtlichen Neuheitenoutput vorweisen. Ganz neu ist etwa ein ­Akku-Multitool zum Sägen und Schneiden von Holz, Metall, Kunststoff und Gipskartonplatten. Auch die Sortimente an Winkelschleifern und Langhandschleifern werden ständig erweitert. Die intensive Beschäftigung mit dem Thema Absaugung hat dazu geführt, dass Flex einen hohen Anteil der Sicherheitssauger im Markt verkauft. Generell ist Ralf ­Häfele davon überzeugt, dass gerade im Bereich der Akku-Technologie der Weg noch lange nicht zu Ende ist. »In Deutschland liegt der Akku-Anteil bei über 60 Prozent, in Skandinavien schon bei 80 Prozent. Das wird auch bei uns in den nächsten Jahren weiter steigen«, ist sich Häfele sicher.

»FLEXperience 2022« zum Firmenjubiläum

Wichtig ist dem Unternehmen der enge Austausch mit den Kunden, die das Flex-Motto »This is proformance« leben. ­»Proformance« ist bei Flex die Steigerung für Performance und soll die Unternehmenswerte Tradition, Innovation, Leidenschaft, Kundennähe und Professionalität vereinen. In Deutschland verfolgt Flex eine klare Fachhandelsstrategie (auch im Online-Bereich) und kann auf etwa 1 000 Handelspartner zählen, dazu kommen über 30 »Proformance«-Partner, die das Flex-Sortiment schwerpunktmäßig vertreiben.

Im März wurden die europäischen Handelspartner anlässlich des 100-­Firmenjubiläums zur »FLEXperience 2022« nach Stuttgart eingeladen. Neben Live-Demonstrationen der Flex-Neuheiten und vielen Sonderaktionen präsentierte das Unternehmen den stärksten Winkelschleifer aller Zeiten – aus 83 kg hochfestem Aluminium aus einem 4000 PS Dragstermotor hat Flex eine streng limitierte Stückzahl Winkelschleifer als Special Edition zum 100-jährigen Jubiläum gebaut. Einmal pro Jahr poliert Flex zudem die »Air Force One« in den USA – ein Kundenevent, der laut Ralf Häfele heiß begehrt ist und auch dazu beiträgt, die Detailer in den USA zu echten Flex-Fans zu machen.

Das Flex-Marketing setzt stark auf die digitalen Medien, aber auch auf klassisches Sponsorship. So ist man seit letztem Jahr offizieller Partner des deutschen Top-Clubs Borussia Dortmund. Die Flex-Polierer sorgen nicht nur für ein glänzendes Erscheinungsbild des BVB-Mannschaftsbusses – auch das Facility Management im Dortmunder Stadion wird mit Flex-Produkten ausgestattet. Gut möglich, dass sich dadurch die Fanbase von Flex noch einmal deutlich erhöht.   J

Innovationen aus 100 Jahren Flex-Geschichte

Das Unternehmen, aus dem die Marke Flex hervorging, wurde 1922 in Bad Cannstatt (heute ein Teil von Stuttgart) von Hermann Ackermann und Hermann Schmitt gegründet – 1996 wurde Ackermann+Schmitt dann in Flex umbenannt. Die Marke Flex geht auf die »flexible Welle« zurück, die als Zwischenstück Antrieb und Werkzeug miteinander verbindet. In den Anfangsjahren war die »flexible Welle« Ausgangspunkt für zahlreiche Produktentwicklungen, die zum schnellen Wachstum der Firma beitrugen. Nach dem 2. Weltkrieg setzte das Unternehmen seine Erfolgsgeschichte fort – mit zunächst 40 Mitarbeitern und der Produktion von Scheren und einer Handschleifmaschine.

Der erste hochtourige Winkelschleifer »DL 9«  kam 1954 auf den Markt.

1954 stellte das Unternehmen mit dem »DL 9« erstmals einen hochtourigen Winkelschleifer vor – und macht die Marke Flex zum Gattungsbegriff für Winkelschleifer schlechthin. Es folgen im Lauf der Jahrzehnte weitere bahnbrechende Innovationen: 1989 etwa wurde mit dem Satinieren eine neue Bearbeitungsmethode für brillante Oberflächen entwickelt, 1997 kam mit der »Flex Giraffe« der erste Langhalsschleifer für die Decken- und Wandbearbeitung auf den Markt. 2002 stellt Flex eine neue Winkelschleifer-­Generation vor mit Produktmerkmalen wie mikroprozessorgesteuerten Elektroniken oder dem seitlichen »Flex SoftVib«-Handgriff. Im Jahr 2015 präsentiert Flex die neue Generation der Flex-Akku-Werkzeuge mit Akku-Zellen, die von einem Kühlmaterial ummantelt sind. Zahlreiche Neuheiten aus dem Akku-Bereich folgen, wie 2018 ein Akku-Rotationspolierer und ein Akku-Exzenterpolierer. Zum 100-jährigen Jubiläum bringt Flex u. a. ein Akku-Multitool auf den Markt, mit dem sich ­unterschiedliche Materialien schneiden und sägen lassen.

Mit der »flexiblen Welle«, dem Ursprung der Marke Flex, begann die Erfolgsgeschichte des Unternehmens.
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