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Felo-Werkzeugfabrik: 140 Jahre Profi-Werkzeuge - Werkzeugfabrik feiert Jubiläum

Mit 140 Jahren Unternehmensgeschichte ist Felo nicht nur einer der ältesten Spezialisten in der Entwicklung und Herstellung von Schraubwerkzeugen, sondern auch einer der weltweit führenden.

Von Jan Rieken

Die Tradition des Unternehmens, das als Hammermühle in Thüringen gegründet wurde, reicht bis in das Jahr 1878 zurück. Heutiger Unternehmenssitz ist Neustadt (Hessen), wo Schraubendreher und Bits in höchster Qualität gefertigt und in alle Welt verschickt werden. Beim Besuch vor Ort sprach der baustoffPARTNER mit Geschäftsführer Martin Holland-Letz, der das Familienunternehmen in fünfter Generation führt.

Wäre Felo ein »Hidden Champion«, dann am ehesten wegen der versteckten Lage der unspektakulären Unternehmenszentrale: Am Ende einer verkehrsberuhigten Sackgasse, die mit gepflegten Reihenhäuschen gesäumt ist, findet sich ein langgezogenes Gebäude mit mehreren Eingängen, das ebensogut auch ein Wohnhaus sein könnte. An der Fassade prangt zwischen zwei Eingängen ein Firmenlogo, das dem Besucher verrät: Nein, das Navi hat sich nicht getäuscht – hier hat tatsächlich einer der traditions- und erfolgreichsten Hersteller für Schraubwerkzeuge seine Zentrale.

Das Unternehmen im nordhessischen Neustadt ist nämlich mitnichten ein »Hidden Champion«, sondern ein weltweit gefragter Spezialist für Schraubendreher und Bits. Ein Rundgang durch die Produktion und die Logistik, die auf einem weitläufigen Areal in der Nähe angesiedelt sind, macht deutlich: Das Familienunternehmen setzt nicht auf einen statusträchtigen Marmortempel als Firmenzentrale, sondern investiert Geld und Herzblut lieber in »Technik und Markt« (Holland-Letz), also in die Entwicklung und Fertigung moderner Werkzeuge, die in Sachen Ergonomie und Qualität Maßstäbe setzen wollen.

Von Thüringen nach Hessen: Neustart nach 70 Jahren

Doch in Neustadt hat sich das Unternehmen erst 1950 angesiedelt: Als Nachfolger der ursprünglich thüringischen Werkzeugschmiede, die unter dem Markennamen »Hammermühle« in Steinbach/Hallenberg in Thüringen Zangen, »Schraubenzieher« und andere geschmiedete Werkzeuge herstellte. Den Grundstein für die heute 140-jährige Tradition legte im Jahr 1878 Ferdinand Holland-Letz. Mit der Firmengründung war er in guter Gesellschaft, »denn der Raum Schmal­kalden hat sich im Osten schnell einen Namen gemacht als regionales Zentrum für Werkzeugschmiedekunst, ähnlich wie Solingen im Westen«, berichtet der Nachfahre des Gründers.

Startkapital: Schreibmaschine und Kartei mit Kundenadressen

Das Wissen um die Firmenhistorie wird bei Felo in einem Raum gehütet, der gleichzeitig auch für Meetings und als Showroom dient. Dort sind zahlreiche Schriftstücke wie Patente in allen Sprachen, alte Werkzeuge und Bedienungsanleitungen zu sehen. Als »Geschichte zum Anfassen« geben sie Aufschluss über die bewegte und gleichermaßen stolze Unternehmengeschichte.

Eine Frage bleibt dabei allerdings unbeantwortet: Die Entstehung des Firmennamens. »Wir vermuten, dass sich Felo aus den beiden Anfangsbuchstaben des Vornamens vom Gründer Ferdinand Holland-Letz und denen seiner Frau Loni zusammensetzt – aber mit letzter Sicherheit können wir das heute nicht mehr feststellen«, sagt Martin Holland-Letz.

Viele Devotionalien von einst sind auch buchstäblich auf der Strecke geblieben, als das Unternehmen 1950 nach Hessen umzog. »Das Startkapital bestand einzig aus einer Schreibmaschine und der Kundenadresskartei, die über die Kriegswirren gerettet werden konnten«, berichtet Martin Holland-Letz aus dem Leben seiner Vorfahren. Was aber schon damals ein wichtiges Pfund war: »Das Know-how von inzwischen mehr als 70 Jahren firmeneigener Geschichte.«


So erfolgte der Neustart zumindest produktionstechnisch nicht bei Null. Holland-Letz merkt allerdings an: »Bei der Wahl der Firmenzentrale konnte man damals angesichts der Zerstörungen in den Ballungsgebieten keineswegs wählerisch sein – und noch heute residieren wir eben da, wo wir 1950 eingezogen sind« – auf dem Gelände einer ehemaligen Kaserne in einer nordhessischen Kleinstadt.

Internationale Ausrichtung schon in den Anfängen

Die Hammermühle setzte von Anfang an auf handwerkliche Sorgfalt, Erfindungsreichtum und Aufgeschlossenheit gegenüber modernen Fertigungsmethoden. Schon in den 1930er-Jahren hat Felo die ersten internationalen Patente angemeldet. Zudem wurde damals schon die Grundlage der internationalen Ausrichtung gelegt: »Bereits im Jahr 1920 waren Produkte auf Grund ihrer Qualität auch stark im Ausland nachgefragt, deshalb gab es schon sehr früh mehrsprachige Kataloge«, berichtet Holland-Letz. »Heute sind wir als exportorientiertes Unternehmen auf allen Kontinenten vertreten, und das Marketingmaterial ist in 20 Sprachen verfügbar.«

Schnell knüpfte man an die Erfolge der Hammermühle an und konzentrierte sich zunächst auf die Produktion von Schraubendrehern. Später kamen dann die Bits hinzu und gewannen, aufgrund der wachsenden Verbreitung von Akkuwerkzeugen und automatischen Schraubeinrichtungen, immer mehr an Bedeutung. Zielgruppe der Neustädter Werkzeugfabrik waren dabei stets professionelle Anwender und Handwerker, die Wert auf Werkzeug in bester Qualität legen.

Mit neuen Materialien die Schrauben besser im Griff

Bereits seit 1956 verwenden die Werkzeug-Experten bei der Fertigung von Schraubendreher Cellulose-Acetat. Zuvor waren Holzgriffe der Standard. Heute ist man bei Felo stolz darauf, damals wie heute durch die ständige Produktverbesserung und die Entwicklung die Vorteile neuer Materialien sehr früh zu erkennen und, getreu der Firmentradition, schnell in innovative Produkte umzusetzen.

Abweichend von den bisher üblichen zylindrischen Griffen für Schraubendreher brachte das Unternehmen 1966 eine weitere, bahnbrechende Innovation auf den Markt: Schraubendrehergriffe in einer ergonomisch gestalteten Form. 1992 folgte dann eine weitere Weltneuheit: Der erste Griff aus 2-Komponenten (Hartkunststoff kombiniert mit Weichzonen). Dass die Galerie an Patent-Urkunden kein Relikt von damals ist, sondern sich auch heute stets weiter vergrößert, dokumentiert die entsprechende Patenturkunde auf das damals neuartige Fertigungsverfahren…

Die Wertschöpfungskette komplett in eigenen Händen

Dieser Griff kombinierte gleichermaßen eine höhere Kraftübertragung mit einem einzigartig ergonomischen Griffgefühl und wurde schnell von den Kunden angenommen. Bei allen Innovationen setzt Felo auf die Verbesserung der Produkteigenschaften und der Ergonomie. »Schon immer legen wir besonderen Wert auf höchste Qualität der Ausgangsmaterialien, deren sorgfältige Verarbeitung und den Einsatz modernster Produktionstechniken«, sagt Geschäftsführer Martin Holland-Letz. Dabei haben sich im Laufe der Jahrzehnte zahlreiche Kompetenzen herausgebildet, sowohl bei Verformungs- und Metalltechnik mit Pressen, Profilieren und Härten sowie beim Maschinenbau, entsprechenden Messverfahren und der Steuerung der ganzen Anlagen. Einzig zur Galvanisierung werden Teile aus der Hand gegeben.

Die Felo-Entwicklungsabteilung arbeitet sowohl bei der Verbesserung bewährter Produktserien als auch bei der Verwirklichung neuer Produkt­ideen mit dem hauseigenen Werkzeugbau zusammen. Viele der dabei eingesetzten Maschinen sind speziell entwickelte Eigenkonstruktionen. Besonders bei Hochleistungs-Werkzeugen ist die Prozesssicherheit in der Fertigung wichtig. »So stellen wir sicher, dass entscheidende Qualitätsmerkmale unserer Produkte bis zu 100 % über den DIN-Werten liegen«, erklärt Holland-Letz. In der Fertigungs- und Messtechnik setzt Felo häufig auf Sonderkonstruktionen, die von der Entwicklung über die Fertigung – unter Umständen bis zur Software – im eigenen Haus entstehen.

Fertigungs- und Prüftechnik auf dem neuesten Stand

Modernste Maschinen garantieren die Einhaltung der geforderten Qualitäts- und Wirtschaftlichkeitsstandards. Mit Prüfanlagen nach aktuellen internationalen Standards will Felo die Überlegenheit vieler Produkte sicherstellen und die stetige Qualitätsverbesserung dokumentieren. »Vor allem professionelle Anwender wissen die vielen durchdachten Details der Werkzeuge zu schätzen«, erläutert Holland-Letz. Jennifer Rampe, Leitung Marketing, ergänzt: »Unsere Schraubendreher und Bits sind so konzipiert, dass sie auch unter rauen Bedingungen täglich durch ihre Zuverlässigkeit und Ergonomie überzeugen.«

Heute entwickeln und produzieren ca. 220 Mitarbeiter auf mehr als 10 000 m² weit über eine Million Schraubendreher und genauso viele Bits pro Monat an zwei Standorten. Damit hebt sich das Unternehmen nach eigenen Angaben deutlich vom Wettbewerb ab, denn trotz eines Werks im ungarischen Eger mit ca. 60 Beschäftigten sind alle von Felo verkauften Profi-Werkzeuge ausschließlich in Deutschland hergestellt. Mit über 4 000 Artikeln und 260 historisch gewachsenen Schutzrechtsanmeldungen exportiert Felo in über 50 Länder und hat sich somit zu einem der führenden deutschen Hersteller von Schraubwerkzeugen etabliert.

Investition in Lagerhaltung und Produktionstechnik

»Wer auf eine so lange Firmengeschichte verweisen kann, blickt mit Stolz zurück und mit Freude in die Zukunft«, sagt Holland-Letz mit Blick auf einige wichtige Weichenstellungen für die Zukunft, die das Unternehmen im Jubiläumsjahr 2018 vorgenommen hat: Vor kurzem hat ein neu gebautes, automatisches Lager- und Logistiksystem seinen Probebetrieb erfolgreich bestanden und wird nun befüllt, um den Servicegrad stetig zu steigern und die Kunden schneller und besser beliefern zu können. Weiterhin wird ein großer Erweiterungsbau für die Produktion in Neustadt umgesetzt und so die Weichen für eine positive Zukunft gestellt.

In der Produktion selbst wird es neue robotergestützte Fertigungsanlagen geben, die – ganz im Geiste der Hammermühle – handwerkliche Sorgfalt den Erfindungsreichtum und Aufgeschlossenheit gegenüber moderner Fertigungsmethoden verbinden sollen. »Das hohe Know-how unserer Mitarbeiter tut ein übriges«, ergänzt Martin Holland-Letz.

Nach dieser weiteren »Investition in Technik und Markt« freuen sich die gewerblichen Mitarbeiter auf moderne Gebäude mit mehr Platz.     J

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