Bodenbeläge & Aufbau

Bodenbelagsindustrie bekennt sich zum nachhaltigen Bauen

Die Hersteller der Bodenbelagsindustrie bekannten sich auf der internationalen Branchen-Leitmesse DOMOTEX zum nachhaltigen Bauen. Ihr Beitrag dazu sind die Umwelt-Produktdeklarationen, Environmental Product Declarations, kurz EPDs genannt.

Wie kaum eine andere Branche setzt sich die Bodenbelagsindustrie für mehr Nachhaltigkeit im Bauwesen ein. Dass der Schlüssel für nachhaltiges, ökologisches und wohngesundes Bauen vor allem in einer höheren Produkttransparenz liegt, davon konnten sich die rund 45 000 Fachbesucher in Hannover überzeugen. Denn unter den ausstellenden Unternehmen herrschte – unabhängig von derem industriellen Background (textile, elastische oder harte Bodenbeläge) – Einigkeit_ Nachhaltiges Bauen bedarf abgesicherter und vergleichbarer Informationen in Hinblick auf die verschiedenen produktseitigen Umweltwirkungen im Lebenszyklus. Diese liefern Umwelt-Produktdeklarationen (EPDs), die in Deutschland vom Institut Bauen und Umwelt e.V. (IBU), einem branchenunabhängigen Programmbetreiber für EPDs, ausgestellt und während der Messetage an zahlreiche Unternehmen und Herstellergruppierungen aus der Bodenbelagsbranche durch den IBU-Geschäftsführer Dr.-Ing. Burkhart Lehmann verliehen wurden.

Der Markt verlangt nach nachhaltiger Bauweise

Den Auftakt bildete die Verleihung von neun Branchen-Durchschnitts-EPDs für Linoleum-, Elastomer-, Polyvinyl- und Kork-Bodenbeläge an den Geschäftsführer des Europäischen Instituts für elastische Fußbodenbeläge (European Resilient Flooring Manufacturers‘ Institute, ERFMI) Ton Pluijmert sowie Unternehmensvertreter der an der EPD-Erstellung beteiligten Herstellerfirmen.

»Der Markt verlangt immer mehr nach nachhaltiger Bauweise. Die Mitgliedsunternehmen und -Verbände des IBU haben das längst erkannt. Vorneweg die Bodenbelagsindustrie«, so Lehmann. Von den seit Auflegung des IBU-Programms im Jahr 2004 insgesamt erstellten rund 650 EPDs seien knapp ein Siebtel der Bodenbelagsindustrie zuzuordnen. Zu den Vorreitern in Sachen Nachhaltigkeit gehörten neben dem ERFMI auch der Verband der europäischen Laminatfußbodenhersteller EPLF (Association of European Producers of Laminate Flooring) sowie die beiden Teppichherstellergruppierungen ECRA (European Carpet and Rug Association) und GUT (Gemeinschaft umweltfreundlicher Teppichboden e.V.). Wie das ERFMI verfügten auch der EPLF und die GUT über eigene Branchen-EPDs, die derzeit an die im Frühjahr 2012 europaweit eingeführte CEN-Norm EN 15804 angepasst werden. Zudem unterstütze die GUT ihre Mitglieder mit speziellen Serviceleistungen bei der Erstellung spezifischer Firmen-EPDs, von deren Möglichkeit mehr und mehr Hersteller Gebrauch machten, um sich gegenüber den Branchendurchschnittswerten abzuheben. »Mit der EPD-Erstellung geht dann in der Regel auch eine weitere Optimierung der Produkte unter Umweltaspekten einher«, so der IBU-Geschäftsführer.

EPDs werden als Grundlage für die Berechnung der Ökobilanz von Gebäuden genutzt und zählen somit zu den wesentlichen Voraussetzungen für die Nachhaltigkeitszertifizierung von Bauwerken. Ob ein Gebäude als nachhaltig bewertet werden kann, hängt laut Lehmann von verschiedensten Kriterien ab. Einen elementaren Beitrag lieferten die verschiedenen Baustoffe in Bauteilen und Konstruktionen. Allerdings könne eine objektive Bewertung nur im Gebäudekontext für eine vorgegebene Einbausituation erfolgen. »Zu berücksichtigen sind das Produktionsstadium, die Einbau- und die Nutzungsphase einschließlich Instandhaltung sowie die Entsorgung oder das Recycling.«

Neben den ökobilanziellen Kennzahlen zu den verschiedenen Umweltwirkungen – wie beispielsweise zum Klimawandel oder zur Versauerung von Boden und Gewässern – zum Ressourcen- und Energieeinsatz, zum Abfallaufkommen sowie zu den stofflichen und energetischen Verwertungsmöglichkeiten finden sich in einer vollständigen EPD des IBU für einen Bodenbelag auch Informationen zur Produktanwendung und zu den Gebrauchsklassen, zur Lebensdauer sowie zum Einfluss des Produktes auf die Innenraumluftqualität wieder.

»EPDs bewerten nicht, ob ein Produkt gut oder schlecht ist«, erklärt Burkhart Lehmann. »Vielmehr stellen sie Umweltwirkungen eines Produkts transparent, unabhängig und nachvollziehbar dar.« Denn sie enthalten von unabhängigen Dritten geprüfte und vergleichbare Informationen. Dank dieser Deklarationen können Planer, Architekten und Bauherren, ob privater oder öffentlicher Bauten, bewusst entscheiden, wie nachhaltig ihr Gebäude am Ende sein soll. Der jeweiligen EPD können sie entnehmen, welche Anteile an der gesamten Umweltbelastung eines Gebäudes, einem einzelnen Produkt oder einer Produktgruppe zuzuordnen sind.

Das IBU betreibt als einzige Organisation in Deutschland ein branchenübergreifendes EPD-Programm für Bauprodukte auf Basis der ISO- und CEN-Normung. Die im April 2012 veröffentlichte europäische Norm EN 15804 liefert die Grundlage für europaweit gültige EPDs. Die entsprechenden Vorgaben wurden vom IBU als erstes EPD-Programm in Europa umgesetzt.

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